Klimaanpassungsspaziergang durch Freiburg

Freiburg, 09.09.2020: Der Klimawandel nimmt seinen Lauf und wirkt sich auch hierzulande deutlich spürbar aus. Von der Sonne verwöhnte Städte in der Region des Oberrheins wie Freiburg haben beispielsweise zunehmend mit einer hohen Hitzebelastung zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund nahmen Interessierte bei einem von der VHS Freiburg angebotenen Stadtrundgang mit Dr. Wulf Westermann (Netzwerk Klimawandel und Klimaanpassung/ifpro) die Bedeutung des Klimawandels für Freiburg in den Blick und wie mit seinen Auswirkungen umgegangen werden kann.

Station 1: Rotteckring und Colombipark

Rotteckring

Am Beispiel des Rotteckrings wurde die deutliche Wärmebelastung als Auswirkung der zunehmenden Flächenversiegelung in Städten besprochen. Weil städtische Strukturen eine thermische Belastung begünstigen und eine angemessene nächtliche Abkühlung verhindern, nimmt die Bedeutung von Grünräumen für das Stadtklima und gleichzeitig für die Stadtplanung zu.
Auf unserem Weg in den Colombipark spürten wir den Unterschied der Aufenthalts- und Erholungsqualität am eigenen Leib. Den Teilnehmenden fiel beispielsweise auch der besondere Wert der Stadtbäume etwa für den Wärme- und Wasserhaushalt, aber auch als Beschattungsquelle auf. Außerdem ging es einerseits um die klimawandelbedingten Folgen für die Forstwirtschaft im Zusammenhang mit Trockenschäden, Baumarteignung und Borkenkäfer, andererseits für den Weinanbau im Kontext von Spätfrösten, aber auch hinsichtlich eines positiven Anbaueffekts. Das Thema Verkehr bot an der neuen Stadtbahnlinie und Fahrradstraße entlang des Rotteckrings einen zusätzlichen Anlass zur Diskussion.[/vc_column_text]

Station 2: Apotheke

Als nächstes spazierten wir an einer Apotheke vorbei, wo wir die Auswirkungen der Klimawandelfolgen auf unsere Gesundheit und mögliche Anpassungsstrategien beleuchteten. Die Teilnehmenden identifizierten beispielsweise Personengruppen, die an Sommer- und Hitzetagen besonders von der enormen Hitzebelastung betroffen sind: alte Menschen, Kinder, Sportler*innen, Obdachlose, chronisch Kranke und bestimmte Berufsgruppen wie Erntehelfer*innen oder Bauarbeiter*innen.
Des Weiteren finden aber auch bestimmte, für den Menschen potenziell gefährliche Tierarten wie die Zecke oder Tigermücke zunehmend günstige Lebens- und Verbreitungsbedingungen vor. Dazu kommen der mittlerweile beinahe ganzjährig stattfindende Pollenflug für Allergiker*innen und die rasante Ausbreitung von Neophyten wie Ambrosia, die ebenfalls als besonders allergieauslösend gilt.

Station 3: Platz der alten Synagoge

Platz der alten Synagoge

Unser nächster Halt am Platz der alten Synagoge verdeutlichte den notwendigen Umgang mit den Folgen des Klimawandels aus stadtplanerischer Perspektive. Wahrscheinliche Zukunftsszenarien und klimatische Modellierungen, etwa zur Windrichtung und -geschwindigkeit sowie zur tatsächlichen und wahrgenommenen Temperatur, bieten dabei hilfreiche Planungsinstrumente auf kommunaler Ebene.
Die Stadt Freiburg hat angesichts dessen bereits ein Klimaanpassungskonzept mit konkreten Maßnahmen für das Handlungsfeld „Hitze“ erstellt. Wasserflächen wie die Brunnen auf dem Platz und der Schutz von Frischluftschneisen wie des „Höllentälers“ spielen für das Mikroklima derartig versiegelter Flächen in der Stadt eine wichtige Rolle. Die Teilnehmenden betonten hier die kommunale Verantwortung und äußerten aufgrund der Konkurrenz mit anderen Fachbereichen und Themen Bedenken.

Station 4: Fischerau und Dreisam

Neue Fischtreppe an der Dreisam (Raue Rampe)

Über die Fischerau schlenderten wir weiter in Richtung der neu angelegten Fischtreppe an der Dreisam und unterhielten uns über die Folgen des Klimawandels im Bereich „Wasser“. Extremwetterereignisse mit Starkregen und Überschwemmungen, aber auch ein beinahe vollständig ausgetrocknetes Flussbett sind dabei vertraute Bilder, die wir von der Dreisam kennen und die weitreichende Auswirkungen auf die Tierwelt oder auch auf die Wasserkraft- und Kühlwassernutzung nach sich ziehen können.

Der Austausch brach nach dem offiziellen Ende des Spaziergangs an der Dreisam und auf dem Rückweg in die Stadt nicht ab. Wir bedanken uns für das große Interesse der Teilnehmenden und freuen uns jetzt schon auf das nächste Mal!

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