Fesa Event im Lebensgarten Dreisamtal – „Gelebter Klimaschutz von unten“

Kirchzarten, den 24.09.2020: Wussten Sie, dass die Ernährung neben der Mobilität und dem Wohnen zu den großen, individuellen Verhaltensweisen zählt, die im Klimaschutz wirklich viel bewegen können?
In der heutigen Zeit stehen uns reich gefüllte Supermarktregale mit einem Überfluss an Waren zur Verfügung, welche günstig und jederzeit – ganz unabhängig von Jahreszeit und Herkunft – erhältlich sind. Dies bleibt jedoch nicht ohne Auswirkungen für unsere Umwelt und das Klima. Wir waren beim diesjährigen fesa-Event des fesa e.V. dabei und durften vor diesem Hintergrund den Lebensgarten Dreisamtal näher kennenlernen, eine solidarisch betriebene Landwirtschaft mit ökologischer Anbaumethode.

Solidarische Landwirtschaft im Lebensgarten Dreisamtal

Gärtnerin Renate berichtet vom Lebensgarten

Passend mit Regenjacke und festem Schuhwerk für das herbstliche Wetter an diesem Nachmittag gerüstet, trafen wir uns auf dem Acker des Lebensgartens Dreisamtal e.V., der am Fuße des Schwarzwaldes bei Kirchzarten liegt. Zu Beginn erklärten uns die beiden Gärtner*innen Renate und Salim das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft, bei der es sich um eine regionale Kooperation zwischen den Erzeuger*innen von Lebensmitteln und deren Verbraucher*innen handelt.
Die Mitglieder des Lebensgartens können ihren wöchentlichen Gemüseanteil entweder direkt auf dem Acker oder an einem der beiden Verteilpunkten in Freiburg abholen. „Frischer geht nicht, nicht mal auf dem regionalen Wochenmarkt“ äußerte sich Gärtner Salim. Dabei wird immer das Gemüse verteilt, was gerade ausreichend und reif auf dem Acker zur Verfügung steht. Auf diese Weise werden die Mitglieder nicht nur jede Woche mit frischem und saisonalem Bio-Gemüse direkt vom Acker versorgt, sondern vermeiden etwa auch Verpackungsmüll und lange Transportwege.

Gleichzeitig wird das Risiko von allen Mitgliedern gleichermaßen getragen. Bringt eine Kultur beispielsweise aufgrund eines Schädlingsbefalls keinen Ertrag, wird der Ernteverlust auf allen Schultern verteilt und bleibt nicht allein an den Erzeuger*innen hängen. Wer Lust hat, kann außerdem beim wöchentlichen Mitgärtnern tatkräftig mithelfen und beim Hacken, Jäten, Gießen oder Ernten etwas dazulernen.
Eine solch direkte Kooperation ermöglicht es den Verbraucher*innen, Herkunft und Produktion ihrer Lebensmittel wieder genauer nachzuvollziehen und diese dadurch mehr wertzuschätzen.

Spannende Führung über den Acker

Die abgedeckte Erdmiete

Bei der anschließenden Führung über den Acker durften wir einen Blick in die „Erdmiete“ werfen, einer unterirdischen und mäusesicher ausgekleideten Vorratsgrube, welche im Winter zur Lagerung des Gemüses dient. Der Erdmiete gegenüber lag auf einem kleinen Teilstück des Ackers der Schullehrgarten, der im Rahmen einer Kooperation regelmäßig von Schüler*innen besucht und „beackert“ wird. Überall waren Blühstreifen zu erkennen und neben der Komposttoilette stand ein liebevoll eingerichtetes Insektenhotel.

Zudem erfuhren wir Interessantes über die ökologische Anbauweise, bei der seitens der Teilnehmenden vor allem das Thema Düngung auf großes Interesse stieß. In diesem Zusammenhang lernten wir zum Beispiel, wie wichtig das Aussähen von Zwischenfrüchten oder das Führen eines Anbauplans ist. Man merkte sofort, dass hier nicht nur Lebensmittel erzeugt werden, sondern auch die Natur so gut wie möglich geschützt wird.

Bei der Ackerführung

Dass die Auswirkungen des Klimawandels auch im Lebensgarten angekommen sind, wird vor allem an der zunehmenden Trockenheit deutlich. An manchen Tagen wären sie mit dem Gießen (von Hand mit einem 80 Meter langen Schlauch) kaum noch hinterhergekommen. Deshalb legten sie sich schließlich mehrere Bewässerungsschläuche zu, die mühevoll zwischen den verschiedenen Kulturen umgelegt werden. Mittels Tröpfchenbewässerung sei eine gezielte Bewässerung mit wenig Verdunstung möglich.

Gemütliches Suppe Essen

Trotz der vielen, neugieren Nachfragen endete die Führung pünktlich mit dem beginnenden Gewitter. Glücklicherweise konnten wir im Folientunnel Schutz suchen und den gemeinsamen Nachmittag mit einer leckeren Kürbissuppe ausklingen lassen. So durften wir sogar noch das Gemüse vom Acker probieren und hörten zum Abschluss einen kurzen Input über den Zusammenhang der Ernährungsweise mit dem Klimaschutz.

Wir bedanken uns für den spannenden Nachmittag sowie für die vielen guten Gespräche und freuen und auf das nächste fesa Event.