Anpassungsstrategien an den Klimawandel: Bildungsmodule für die Bereiche Stadtplanung, Städtebau und Bauwesen mit besonderem Fokus auf die Region Oberrhein (AKKlima-Oberrhein)

Laufzeit: 01. Oktober 2014 bis 30. Juni 2017
Partner: Kooperation zwischen ifpro und fesa e.V.
Fördernde Institutionen: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Förderkennzeichen: 03DAS018

Ziele des Vorhabens:

Entwicklung und Durchführung zielgruppenorientierter Fort- und Weiterbildungsangebote zur Anpassung an den Klimawandel im Bereich Städte- und Siedlungsbau für die Region Oberrhein.  Die Fortbildungsseminare sollten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Handlungs-, Gestaltungs- und Entscheidungskompetenz hinsichtlich der Fragestellungen zur Klimaanpassung vermitteln, so dass sie als Akteure und Multiplikatoren das Wissen in ihren Kommunen vor Ort zielgerichtet und effektiv nutzen und weitervermitteln können.

Damit sollte ein Beitrag dazu geleistet werden, in der breiteren Öffentlichkeit ein Bewusstsein für Handlungsnotwendigkeiten zur Klimaanpassung in der Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung zu entwickeln. Das Gesamtkonzept sowie die erstellten Bildungsseminare wurden so konzipiert, dass sie modifiziert auf andere Regionen oder Kommunen übertragen werden können.

Projektaufbau:

In der Planungsphase wurden grundlegende Vorarbeiten wie die Recherche von Inhalten und Akteuren, Kontaktaufnahme und Vernetzung mit den themenrelevanten Institutionen und potentiellen Referenten sowie die Konzeption und Planung des weiteren Projektverlaufes durchgeführt.

Schematische Darstellung der Projektphasen mit Übersicht über die wesentlichen Inhalte

Nach der Konzeptionsphase wurde Interessierten das Programm „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ in Form zweier Start-Workshops nahe gebracht. Der weitere Projektverlauf betraf die Entwicklung von Fortbildungs-Modulen zu verschiedenen Aspekten der regionalspezifischen Folgen des Klimawandels auf städteplanerischer bzw. -baulicher sowie auf Gebäudeebene. Nach der Durchführung wurden die Module evaluiert und kritisch überarbeitet. Schlussendlich wurden Fachseminare konzipiert und durchgeführt, die jeweils vertiefend auf die Themen „Städtebauliche Maßnahmen“ und „Bauliche Anpassungsmaßnahmen“ bezüglich des Klimawandels und damit verbundener Anpassungsstrategien abzielen.

Zielgruppe:

Die bundesweit am stärksten vom Klimawandel betroffene Region Oberrhein bietet ideale Voraussetzungen, um zielgruppenorientierte Fort- und Weiterbildungsangebote im Bereich Städte- und Siedlungsbau zu entwickeln und die relevanten Akteure für Adaptionsmaßnahmen zu sensibilisieren und zu qualifizieren.

Eine systematische Selektion in der Region umfasste folgende Zielgruppen:

    • Verwaltungen der Kommunen
        1. Stadtplanungsämter
        2. Bauämter (insbes. bei kleineren und mittleren Gemeinden)
        3. Umweltämter
        4. Klimaschutz- und Klimaanpassungsbeauftragte
      1. Grünplanungs-/Gartenbauämter
    • Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg
    • Umweltämter der Landkreise

  • Regionalplanungsverbände Südlicher, Mittlerer und Nördlicher Oberrhein
  • Energie- und Klimaschutzagenturen
  • Dienstleister in der Kommunalberatung
  • Universitäten und Forschungseinrichtungen
  • NRO im Bereich Umwelt und Klimaschutz

Region Oberrhein:

Die Vulnerabilität der in verdichteten Siedlungsräumen lebenden Bevölkerungsteile gegenüber Hitzebelastung in der Region Oberrhein ist heute bereits als hoch einzustufen. Sofern keine Anpassungsmaßnahmen getroffen werden, ist bis 2055 landesweit mit jährlich 180 bis 400 zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen zu rechnen (KLARA 2005).

Flyer zum 6. Seminar mit Karte der Region Oberrhein.

Neben den mit der Temperaturerhöhung verknüpften Gesundheitsgefahren bestehen erhöhte Gefahrenpotentiale durch Extremereignisse wie beispielsweise extremen Starkregen, Überschwemmungen, Hagelereignisse und Stürme.

Hieraus ergibt sich ein erhöhter Handlungs-, Entscheidungs- und Wissensbedarf bei Behörden, in der Wirtschaft, in Verbänden und in zivilgesellschaftlichen Institutionen, um möglichst früh Weichenstellungen für Klimaadaptionsmaßnahmen vornehmen zu können. Aus den vorliegenden Ergebnissen von Regionalstudien in Baden-Württemberg (z.B. KLIWA 2016, KLARA 2005, REKLISO 2006 und KLIMAKOMPASS) lassen sich vielfältige Sachverhalte zur regionalen Klimaänderung und Klimaanpassung darstellen.

In vielen Städten und Gemeinden in der Oberrheinregion ist der Klimaschutz als kommunale Gemeinschaftsaufgabe noch nicht oder nur sehr bedingt in der kommunalen Verwaltung verankert.

Projektergebnisse:

1. Aufbau einer Datenbank von im Projektgebiet tätigen Kompetenzträgern

Eine der ersten Aufgaben im Projekt „AKKlima-Oberrhein“ bestand daher darin, eine Übersicht über alle Institutionen, Kommunen und Personen mit Fachkenntnissen zum Handlungsfeld „Klimaanpassung im Handlungsfeld Stadtentwicklung“ in der Projektregion zu erstellen. Die vollständige Datenbank mit Kontaktdetails der Ansprechpartner liegt für die weitere Arbeit vor.

Kommunen u.a. interessierte Akteure können somit einfach einen Überblick über die im betreffenden Handlungsbereich und in der Projektregion tätigen Kompetenzträger gewinnen und diese ggfls. kontaktieren (Hilfe bei der Kontaktsuche und Kontaktaufnahme). Außerdem wird die Vernetzung z.B. zwischen bereits in der Klimaanpassung tätigen Kommunen sowie „Beginner“-Kommunen oder zwischen Fördermittelgebern und -nehmern unterstützt und durch diese Zusammenstellung der Ansprechpartner eine neue Schnittstelle zwischen Wissenschaft / Politik / Öffentlichkeit eröffnet. Damit wird ein Beitrag zur Förderung von Vernetzung und Austausch und der Stimulierung interkommunaler Zusammenarbeit ermöglicht.

2. Aufbau einer Datenbank „Potentielle Multiplikatoren für Schulungen“

Eine zweite Aufgabe bestand darin, potentielle Interessenten und Multiplikatoren für die geplanten Fortbildungsseminare zu identifizieren und diese regelmäßig über die Fortbildungsangebote des Projektes „AKKlima-Oberrhein“ zu unterrichten. Zu diesem Zweck wurde eine weitere Datenbank mit zielgruppenbezogenen Ansprechpartnern aufgebaut.

Diese Datenbank dient der Schaffung und Verstetigung eines regelmäßigen, langfristigen Fort- und Weiterbildungsangebotes zur Entwicklung und Stärkung der Kompetenzen von Kommunen, Verbänden und regionaler Wirtschaft zur Klimaanpassung im Bereich Stadt- und Regionalentwicklung.

3. Bestandsaufnahme – Stand der Klimafolgenforschung und Klimaanpassung

Die Bestandsaufnahme stellt die einzige uns bekannte Gebietsanalyse im Bereich der Akteure (Kommunen, Regionalverbände und Forschungseinrichtungen) und der Klimaanpassungsaktivitäten im Handlungsfeld „Stadt/-Regionalplanung in der Projektregion“ dar. Sie lieferte eine wertvolle Analyse bei der Beschreibung der Entwicklung der Ist-Situation im Projektgebiet Oberrhein. Diese Bestandsaufnahme ist überdies eine gute Ergänzung zum 1. Monitoring-Bericht „Klimafolgen und Anpassung“ der Landesregierung (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft BW und des Landesamtes für Umwelt, Messungen und Naturschutz LUBW 2017).

4. Öffentlichkeitsarbeit

Durch die Präsenz des Projektes konnte das Thema „Klimaanpassung in der Stadt-/Regionalentwicklung“ zu einer Sensibilisierung wichtiger Akteure im Projektgebiet „Oberrhein“ und darüber hinaus beitragen. Zudem wurde die existierende Öffentlichkeitsarbeit der LUBW und von Seiten des Umweltministeriums zum komplexen Thema Klimawandel, Klimawandelfolgen sowie Klimaanpassung unterstützt.

Das Thema „Klimawandel am Oberrhein“ als Aufmacher auf der Titelseite der SolarRegion.

Als geeignete Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden folgende Aktivitäten im Rahmen des Projektes „AKKlima-Oberrhein“ durchgeführt.

  •  Veröffentlichungen in der Zeitschrift „SolarRegion
  • Zielgruppenspezifische Bewerbung von Workshops und Fortbildungsmodulen
  • Entwicklung einer eigenen Projekt-Webseite
  • Kooperation mit lokalen Partnern in der Projektregion
  • Frühzeitige Anbindung an Aktivitäten des Landes und der Region

Die im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit durchgeführten Maßnahmen im Vorfeld (Erstellung von Datenbanken sowie die Erstellung einer eigenen Webseite) werden nach Projektabschluss für die Bewerbung weiterer Fortbildungsangebote genutzt.

5. Entwicklung eines auf die Bedürfnisse der Kommunen angepassten Fortbildungskonzeptes und Durchführung von Seminaren

Vorstellung der Ergebnisse der moderierten Arbeitsgruppen beim 3. Seminar im Friedrichsbau Bühl.

Das Projektkonzept, über die Entwicklung und Durchführung von fachlichen praxisorientierten Weiterbildungsangeboten im Handlungsfeld „Klimaanpassung in der Stadt-/Regionalentwicklung“ zur zielgruppenspezifische Kompetenzentwicklung beizutragen, erhielt sehr viel positive Resonanz bei den Teilnehmenden der Seminare. Zudem bietet das Weiterbildungskonzept eine gute Grundlage für eine Verstetigung der fachlichen Qualifizierung von zielgruppenrelevanten AkteurInnen.

An den beiden Auftakt-Workshops nahmen mehr als 60 Personen teil. Insgesamt nutzten 140 TeilnehmerInnen die Möglichkeit zur Qualifikation im Rahmen der fünf Fortbildungsseminare (im Durchschnitt 28 TeilnehmerInnen pro Seminar). Die prozentual größte Teilnehmergruppe bildeten dabei Angestellte aus kommunalen Verwaltungen (überwiegend Stadtplanung). Die Restlichen verteilten sich ungefähr zu gleichen Teilen auf VertreterInnen von universitären Forschungseinrichtungen, in der Kommunalberatung tätigen Dienstleistungsunternehmen, Vertretern von Verbänden und NRO sowie Sonstige.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Workshops und Seminaren finden Sie im grauen Feld oben rechts.

6. Wissenstransfer Regional

Durch die Aktivitäten des Projektes „AKKlima-Oberrhein“ wurde im Projektgebiet der regionale mit einem klaren räumlichen Schwerpunkt ebenso sowie der interregionale Wissenstransfer wie bspw. zwischen den Projektregionen „Oberrhein“ und dem Verdichtungsraum „Stuttgart/Neckar“ gefördert. Die im Projekt am Oberrhein gemachten Erfahrungen unterstützen die Ergebnisse von anderen regional organisierten Klimaanpassungsprojekten, dass regionale Kompetenzzentren oder Netzwerke für den schnellen und effektiven Wissenstransfer zwischen den Akteuren und Kommunen einer Region besonders geeignet sind.

7. Wissenstransfer Bundesebene / Erfahrungen aus anderen Regionen

Pause und Zeit zum Kennenlernen und Vernetzen im Rathaus der Stadt Emmendingen.

Die im Rahmen des Projektes „AKKlima-Oberrhein“ hergestellten Verknüpfungen zu relevanten Kompetenzträgern im Bundesgebiet sollen im Zuge der Netzwerkentwicklung auch in der Post-Projektphase gepflegt und ausgebaut werden. Die etablierten Kontakte zu Schlüsselpersonen auf Bundesebene können bei der Durchführung zukünftiger Fortbildungsveranstaltungen weiter genutzt werden. Darüber hinaus besteht noch die Möglichkeit des grenzüberschreitenden Austausches in der trinationalen Metropolregion Oberrhein zwischen Deutschland, Frankreich (Elsass) und der Nordwest-Schweiz.

8. Darstellung der erfolgten oder geplanten Veröffentlichungen

Mit der Teilnahme an externen Fachveranstaltungen ist einerseits ein Wissenstransfer in das Projekt verknüpft (z.B. bei bundesweiten Netzwerktreffen DAS). Andererseits wird über regionale Veranstaltungen das Wissen aus dem Projekt an relevante Akteure in der Region zur Kompetenzbildung und zum Ziele des „Empowerments“ weitergegeben. Bisher gab es in der Region Oberrhein keine Organisation/Institution, die eine solche Aufgabe ausübt.

Über das Projektende hinaus wird der Projektbericht vorgelegt und zur Verfügung gestellt. Dieser Schlussbericht wird der Technischen Informationsbibliothek (TIB) zur Veröffentlichung vorgelegt, sobald er vom Projektträger freigegeben ist.

9. Konkrete Impulse für die Region

Das Projekt „AKKlima-Oberrhein“ konnte neben dem Erreichen der einzelnen Projektziele weitere konkrete Impulse für die Projektregion und für Baden-Württemberg geben.

Eine umfassende Evaluierung des Projektes war nicht vorgesehen. Allerdings ist es möglich einige Multiplikator- und Synergieeffekte im Sinne einer Wirksamkeitsabschätzung spezifisch zu benennen:

    • Durch Impulse und konkreten Wissenstransfer im Rahmen des Projektes „AKKlima-Oberrhein“ wurde die Anzahl der Städte und Gemeinden mit Klimaanpassungskonzepten in der Region Oberrhein verdreifacht.
    • Beitrag zur Vernetzung von Akteuren (Netzwerkentwicklung und Pflege)
    • Impuls für die Entwicklung neuer Aufgabenfelder in der Kommunalberatung durch Energieagenturen
    • Entwicklung eines Multiplikatorenprojektes für die Erwachsenenbildung an Volkshochschulen (Klimawandel und Klimafolgen verstehen und Zukunft gestalten)
    • Als ein „Spin-Off“ des Projektes „AKKlima-Oberrhein“ wurde erfolgreich eine „Multiplikatoren-Ausbildung“ für die Volkshochschulen als wichtigster Erwachsenenbildungsträger in Kooperation mit namhaften Projektpartnern und Fördermittelgebern konzipiert.

  • Integration von Klimaschutz und Klimaanpassung in bestehendes Weiterbildungsangebot von ifpro/fesa e.V. „Kommunales Energie- und Klimaschutzmanagement (KEM)“
  • Entwicklung eines regelmäßigen Kursangebotes im Rahmen einer bundesweiten Fortbildungsinitiative des Bundesverbandes Klimaschutz (BVKS)

Projektförderung

Das Projekt AKKlima Oberrhein wurde im Rahmen des Programms Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Projektträgerschaft: Projektträger Jülich, Berlin

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Quellen

KLARA 2005 KLARA (2005): Klimawandel, Auswirkungen, Risiken, Anpassung (KLARA), Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, Potsdam, 222 Seiten.

KLIMAKOMPASS http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/244205/ KLIMAKOMPASS – Landesförderprogramm Klimafolgenforschung Baden-Württemberg

 KLIWA 2016 Klimawandel in Süddeutschland – Klimamonitoring im Rahmen der Kooperation KLIWA, Kooperationsvorhaben Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft, 2016. Monitoringbericht, 60 Seiten

REKLISO 2006 Regionalverband Südlicher Oberrhein (2006): Regionale Klimaveränderungen Südlicher Oberrhein (REKLISO), Freiburg, 120 Seiten.

Weiter interessante Literaturquellen und Links zu themenrelevanten Webseiten finden Sie hier.

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